Gastrobriefe

Gastrobrief Nr. 3

Verzicht!

Wir alle verzichten, der eine mehr, der andere weniger. Warum verzichten wir nicht auf die Europameisterschaft, Olympia etc.? Wir in den kleinen Vereinen verzichten schon lange auf Neuwahlen im Vorstand. Warum nicht auch der Bund? Verschiebt die Wahlen, wie wir alle was zu Corona-Zeiten verschieben müssen. Zieht die Karre gemeinsam aus dem Dreck, den ihr uns eingebrockt habt. Danach könnt ihr immer noch wählen.

Verzichten möchte ich nicht, mich endlich einmal bei all meinen Mitarbeitern im Walsumer Spital, für nicht Insider „Walsumer Hof“, zu bedanken. Egal, ob in der Küche, im Büro, oder im Service. Mein besonderer Dank gilt Frau Andrea Winken, Herrn Carsten Jasmer, Herrn Rene Kranz und Frau Katharina Koslik (die leider nicht mehr bei uns ist). Diese Mitarbeiter sind teilweise schon über 20 Jahre bei mir und gehen mit mir durch gute und durch schlechte Zeiten. Zur Information, im Walsumer Hof gibt es kein Gehalt, dafür aber Schmerzensgeld.

Verzichten möchten wir auch nicht auf unsere Gäste. Auch wenn wir zur Zeit der Gesellschaft ein Sonderopfer bringen, freuen wir uns auf die Zeit danach. Es gibt ein Leben vor Corona und sicherlich auch ein Leben nach Corona. In Gottes Namen.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Sie können sich schon auf das kommende „Muttertags-Menü“ freuen.

Bleibt gesund – Grüße Rüm hart – klaar Kiming – Matthias Langhoff

Fortsetzung in eigener Sache:

Das Wunder vom Februar ist vorbei. Es soll geöffnet werden. Aber wie? Sich auf den Staat zu verlassen, haben wir ja gelernt, ist nicht gut. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Wenn wir nicht to go oder das Camping-Dinner gemacht hätten, wären wir schon lange nicht mehr da. Wir haben alles, aber auch wirklich alles, zu Geld gemacht, was ging (Versicherungen gekündigt, Zahngold usw. usw.). Aber es reicht alles nicht. Mit welchem Argwohn und welcher Selbstverständlichkeit man davon ausgeht, dass wir in der Zwischenzeit selbst zusehen müssen, wie wir finanziell zurechtkommen, ist ungeheuerlich und total weltfremd, aber ich muss das auch nicht verstehen, ich habe nur „Hauptschulabschluss“.

Warum sollte ich mich freuen, wieder aufmachen zu dürfen, wenn ich nicht gewinnorientiert arbeiten darf? Wir haben finanzielle Verpflichtungen, denen wir nachkommen müssen. Dieses kann aber nur geschehen, wenn wir 100 % Geschäft haben dürfen und nicht nur 60 oder 70 %.

Wie kommt man in die Situation, dass man auf einmal kein Geld mehr vom Staat bekommt, also keinen Anspruch mehr hat? Zum Beispiel negatives Eigenkapital, Subventionsbetrug, Insolvenz etc. Dann wird dir noch ein kleines Kraftwerk vor die Tür gesetzt, plötzliche Nematoden im Fisch, dann gibt es eine Trennung mit anschließender Denunzierung in Essen usw. usw. usw. Uns würde auch nicht wundern, wenn irgendwann jemand auftaucht und sagt, Herr Langhoff, können Sie sich noch an das Jahr 2020 / 2021 erinnern? Da war doch was mit finanzieller Unterstützung!

Wir haben aber auch sehr viel Glück gehabt. Die Gäste sind immer sehr dankbar, dass wir überhaupt aufgelassen haben und ein Stück Lebensqualität erhalten können. Auch das in Marxloh auf der August-Thyssen-Straße eine Koryphäe arbeitet, die mich bis jetzt immer wieder zusammengeschustert hat. Da wurde ich auch schon mal „blass“. Da kann ich nur danke sagen. Ich habe mich immer um das Wohl unserer Gäste gekümmert, doch um meine Familie anscheinend wohl eher nicht. Immer wieder ging der Betrieb vor. Wird das in Zukunft auch noch so sein?

Zum guten Schluss noch eine Bitte: „Ich bin auf der Suche nach der Entbürokratisierung, hat die jemand gesehen?“

Gruß Euer Matthias